Tour-Pro Fabius Will Bradhering wohnt während der German Challenge powered by VcG im Van auf dem Parkplatz des Wittelsbacher GC. | © DGV/Kirmaier

Bradherings Bude auf vier Rädern

Eine kleine Küche mit Waschbecken, Toilette, ein Mini-Essplatz mit Tisch zum Einklemmen und darüber ein Bett – das alles auf rund sechs Quadratmetern. So ein Ford Nugget Plus hat eigentlich alles, was man braucht. Sogar ein Regal für Titleist-Bälle. „Nur die Klimaanlage ist ausgefallen. Aber das ist halb so wild“, sagt Fabius Will Bradhering. Für den 24-jährigen Tour-Pro aus Fehmarn lief die German Challenge powered by VcG sportlich zwar nicht nach Wunsch, dafür hatte er an den ersten beiden Turniertagen die kürzeste Anreise.

 

„Klar ist ein Hotel bequemer, aber ich finde, wenn du mit einem Van auf dem Parkplatz stehst und dort wohnst, hat das viele Vorteile. Wenn dir abends noch eine Idee einfällt, kannst du noch mal schnell aufs Putting Grün und hast die Range für dich. Man fühlt sich viel mehr mit dem Turnier und mit Golf verbunden, wenn man im Van unterwegs ist. Ich mag das“, erzählt Bradhering. Seit zwei Jahren ist er Profi und versucht sein Glück über Einladungen auf der Nordic Golf und der HotelPlanner Tour. Zudem schlägt er in der Deutschen Golf Liga presented by All4Golf für den G&CC Hamburg-Treudelberg (2. Bundesliga Nord) ab.

Und wie finanziert man das Leben als junger Pro, der eben noch nicht die dicken Schecks einspielen konnte? „Ich habe einen Hauptsponsor, eine Privatperson, die mich unterstützt mit der Vision, es zu Olympia zu schaffen“, erzählt Fabius Will Bradhering. Große Ziele, aber wer weiß, wohin ihn sein schwarzer Ford Nugget noch bringen wird. 2028 finden die Sommerspiele in Los Angeles, 2032 in Brisbane statt. Da wäre es mit dem Flugzeug dann doch deutlich komfortabler für Bradhering, dessen eher außergewöhnlicher Name einen Hintergrund hat: „Meine Eltern sind Film-Fans, also haben sie mich Fabius genannt. Das ist der Fisch bei Arielle. Und Will, weil sie Will Smith cool finden.“

 

Für die German Challenge powered by VcG hatte er eine Einladung bekommen und war zum ersten Mal im Wittelsbacher GC. „Der Platz ist schön, vor allem, wenn du gute Schläge vom Tee machst, hast du Chancen ins Grün. Ich bin am Freitag ganz okay gestartet, habe dann aber einen Fehler gemacht, der mich etwas aus der Spur gebracht hat“, erzählt Bradhering. Am Ende scheiterte er mit gesamt +12 am Cut, aber auch dabei mache man seine Erfahrungen. Zumal: Den schönsten und kürzesten Weg ins Bett hatte der Norddeutsche – draußen am Parkplatz stand sein Van unter Schatten spendenden Bäumen. „Ich fahre eigentlich alles, was unter 12, 13 Stunden ist.“ In Dänemark, Schweden und Norwegen war er in dieser Saison bereits.

 

Das alles auf sechs Quadratmetern. Mit Toilette, Küche, Ess- und Schlafplatz sowie Außendusche und Ecke mit Ösen und Haken, damit das Golfbag sicher und gut befestigt mitreisen kann. Und immer mobil auf vier Rädern. Knapp 70.000 Kilometer hat sein fahrendes „Clubhaus“ schon auf dem Buckel. Eigentlich gehört der Nugget der Mama. Sie hat ihn ihrem Sohn nur geliehen und nicht geschenkt. Aber wer weiß...

 

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